Den feministischen Diskurs als erledigt betrachten

Natürlich möchte ich nicht von einer Person auf eine ganze Bewegung schließen. Aber in jedem Diskurs gibt es Grenzen. Im Moment ist diese Grenze überschritten, und man darf das Thema Feminismus und dessen Forderungen gerne nochmal für 10-20 Jahre auf Halde legen, und zwar für so lange wie unter Feministinnen Menschen mit solchen Meinungen akzeptiert sind:

Man könnte es auch zugespitzt so sagen: Würde es nur Frauen geben, bräuchten wir keine Justiz.
Antje Schrupp

Das geht natürlich nicht, wenn das Bekenntnis zum Rechtsstaat quasi zur Vorbedingung für jede politische Diskussion gemacht wird.
Antje Schrupp

Wer den Rechtsstaat bzw. die Bekenntnis dazu zur Disposition stellt, bugsiert sich ins AUS.
Alice Schwarzer und ihr Radikalismus ist mitnichten überwunden oder veraltet, wie viele Feministinnen immer wieder gerne betonen. Er trägt nur einen anderen Namen.

Die Zukunft gehört den Männern und Frauen, die eben keine Feministinnen und Feministen, keine Maskulistinnen und Maskulisten sind.
Menschen für Menschen. Das ist die Zukunft. Alles andere ist Schnee von gestern.

[Update 15:33]
Schwarzbart hat auf derFreitag eine sehr schöne Replik auf den Text von Antje Schrupp geschrieben:

Gegenwartsunfähig, rechtsstaatsfeindlich: Der Feminismus hat fertig.

Der Feminismus von 2011, so wie er sich in der laufenden Debatte zeigt, hat seinen Platz gefunden auf dem Weg zu einer zivilisierten, gleichberechtigten Gesellschaft, in der Geschlecht, sexuelle Orientierung, sexuelle Identität keine Rolle mehr spielen:

Er steht im Weg.

9 Gedanken zu „Den feministischen Diskurs als erledigt betrachten“

  1. Du benutzt die Positionen einzelner Menschen, oder, wenn es hoch kommt, die Position von einzelnen Spielarten einer Bewegung, um die ganze Bewegung zu diffamieren. Dies ist nicht besonders überzeugend, nicht einmal wenn du am Anfang schreibst „Natürlich möchte ich nicht von einer Person auf eine ganze Bewegung schließen.“ Wenn du so etwas schreibst, dann solltest du dich auch daran halten.

    Mein Vorschlag: Schau dich um in der Welt, dann wirst du feststellen, dass Frauen immer noch gegenüber Männern benachteiligt sind. (Vieles hat sich natürlich verbessert.) Nicht alle Erklärungen, die unter dem Banner „Feminismus“ in der Welt verbreitet werden, sind korrekt, und nicht alle Lösungsmöglichkeiten sinnvoll. Finde also bessere Lösungsmöglichkeiten, anstatt gleich das Problem der Benachteiligung für erledigt zu erklären. (Und das ist es, worum es dem Feminismus in allen seinen Spielarten letztendlich geht: die Benachteiligung von Frauen aufzuheben.)

  2. Der Punkt ist nicht nur, dass solche nicht tolerablen Äußerungen getätigt werden. Der Punkt ist auch, dass es keinen wahrnehmbaren Widerspruch gibt. Und ein fehlender Widerspruch riecht leider allzu sehr nach mangelndem Diskurs und nach Zustimmung.

    Ja, ich sehe dass Frauen benachteiligt werden. Ich sehe auch, dass Männer benachteiligt werden. Es kommt eben ganz auf die Situation an. Allerdings löst man diese Probleme nicht, in dem man den Rechtsstaat als ein Machtmittel „weißer, alter Männer“ hinstellt.

  3. Wenn du der Diskussion bei Antje Schrupp folgen würdest, würdest du wissen, dass es dort Widerspruch gibt. Keinen Widerspruch im Namen des Feminismus (da der Feminismus eben keine politische Richtung mit Parteiprogramm ist), aber doch viel Widerspruch.

  4. So einfach kann man sich die Sache auch nicht machen. Wenn Leute daherkommen, und meinen, man müßte Kapitalisten erschießen, um die Arbeiter zu befreien, dann hindert mich das ja auch nicht daran, mich für die soziale Frage zu interessieren.

    Das Problem ist, daß die Frauenfrage von jeder politischen Partei auf diese oder jene Art geführt wird. Feministisch ist aber mehr oder weniger jeder Diskurs, der die Frauenfrage erörtert, mit Ausnahme der Diskurs von Eva Herman. So kann man dann Nadines Unsinn gegen linke und liberale Positionen instrumentalisieren.

    Das, was Nadine vertritt, ist der gewöhnliche Mainstream-Feminismus. Und der ist männerfeindlich. Der geht z.B. auf Susan Brownmiller: „Gegen unseren Willen. Vergewaltigung und Männerherrschaft“ zurück. Die hat die ganze Litanei mit der Geschlechterhierarchie, den Vergewaltigungsmythen etc. eingeführt. Neben dieser Männerfeindschaft gibt es auch friedlichere Varianten wie die Marxisten und die Italienerinnen, die Antje Schrupps Lieblinge sind, mir aber auch wegen der Esoterik nicht zusagen.

    Und wenn ihr beim Feministen-Bashing seid, entsorgt gleich auch die soziologischen und philosophischen Grundlagen, solche Dinge wie triple oppression z.B.!

  5. @georgi Wie heißt die Frau, die da redet? Ich finde gut, dass da einmal wieder ein paar Probleme angesprochen werden, die sonst oft unter den Tisch fallen (berufliche Benachteiligung von Frauen, weil sie Kinder haben, oder haben könnten), aber ich stimme nicht mit allem überein, was sie sagt.

      1. Danke! Ich habe jetzt ein bisschen mehr über sie herausgefunden: anscheinend steht sie der ehemaligen „Marxistischen Gruppe“ nahe. Ich habe die MG vor allem noch in Erinnerung an Leute, die in allen möglichen Vorträgen auftauchten und ihre Statements abgaben, meist ohne Bezug zum jeweiligen Thema, und dadurch ziemlich nervten.

        Der Vortrag war interessant, auch wenn ich nicht allem zustimme. Wichtig fand ich vor allem, dass sie ein paar Probleme benannte, die immer noch existieren. Peinlich war dagegen ihr falsches Faktenwissen zum Paragraph 218. Am meisten mochte ich die Diskussion mit den Breitseiten gegen den Konstruktivismus, wo sie ein paar Punkte, die vom Konstruktivismus als selbstverständlich angesehen werden, und die vor allem von jungen Leuten, die mit Konstruktivismus sozialisiert werden, nicht mehr hinterfragt werden, dann sehr scharf angriff.

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